Über 650 Jahre
Obstbautradition
im Alten Land
Die
Hollerkolonisation hatte das Land urbar gemacht.
Regelmäßiges Kleigraben (der
nährstoffreiche Aushub aus dem Graben wird auf dem Land
verteilt) hielt die
Gräben in Funktion und den Boden fruchtbar.
Begünstigt vom milden Kleinklima
gedieh Obst. Vieh weidete unter den Hochstämmen. Die kleinen
Betriebsgrößen
zwangen zur Umstrukturierung. Viehhaltung wurde abgeschafft.
Für effizientere
Arbeitsabläufe, höhere Sicherheit und bessere
Obstqualität werden die Tafelsorten
heute auf schwach wachsenden Unterlagen veredelt. Heute ist das Alte
Land das
größte geschlossene Obstanbaugebiet Nordeuropas. In
Jork-Moorende ist das
Obstbau-Versuchs- und Beratungszentrum heute (OVB) als Kompetenzzentrum
für
Praxis und Theorie des Obstbaus angesiedelt. Hier werden
Obstbaubetriebe,
Vermarktungsorganisationen, Händler, Entwickler und Zulieferer
von Obstbau- und
Lagertechnik beraten und hier findet neben der wissenschaftlichen
Forschung für
integrierten und ökologischen Obstanbau seit den 1960er Jahren
auch die
Ausbildung von Obstbauern/-bäuerinnen statt. Angesiedelt ist
dies
Beratungszentrum seit dem Jahre 2000 auf den Betriebsflächen
der Esteburg,
einem alten Gutshof von 1609/11.
Um
1600 hatte
der Altländer Obstbau bereits wirtschaftliche Bedeutung. Dies
wird in einem
Streitfall zwischen dem Erzbischof von Bremen und dem Hamburger Rat dem
so
genannten „Kirschenkrieg“, deutlich. Nach dem
Rectifications-Protokoll umfasste
der Obstbau im Jahre 1657 schon 743 Obsthöfe mit 202 ha und
11,5 Ar.
Welche
Sorten
angepflanzt wurden, ist im Einzelnen nicht bekannt. Erwähnt
wurden lediglich
„Pater Noster“-Äpfel – auch
„Paternoster“ oder „Panister“
genannt: und der
„Rote Krieger“-Apfel, die es auch als
„Roter Eiserapfel“ oder
„Paradiesapfel“
gab. Meist wird nur vom „Bomhoff“, oder vom
„alten“, „schlechten“,
„jungen“,
„neuen Bomhoff“ berichtet. Bei sieben von zwanzig
Obsthöfen des Borsteler
Ortsteils Hinterbrack heißt es
„Kirsch-Baumhof“, auch
„Kirschbeume“. Die jungen
Bäume wurden in heimischen Baumschulen gezogen, die es bereits
im 17.
Jahrhundert gab. In der Jorker Kirchspielchronik wird erwähnt,
dass der
Organist Claus Voth (1678-1701) auf dem Kirchenland nicht nur einen
beträchtlichen Obstbau betrieb, sondern auch eine Baumschule
anlegte.
Ausbildungs-,
Beratungs- und Forschungseinrichtungen
1897
wurde die
Kreisobstbauschule gegründet. Obstausstellungen boten neben
der Schau auch
Anregungen für eine verbesserte Anbau-, Lagerungs- und
Versandtechnik und
warben für gutes Altländer Obst. Alles dies
förderte den weiteren schnellen und
stetigen Aufstieg des Obstbaues bis über die Jahrhundertwende
hinaus.
Schädlinge
und
Krankheiten vermehrten sich in erschreckender Weise, und
gefährdeten den
Obstbaumbestand stark. 1921 wurde in Stade eine Zweigstelle der
Biologischen
Reichsanstalt für Land- und Forstwirtschaft eingerichtet, um
auch im Alten Land
die Grundlagen für einen erfolgreichen Pflanzenschutz zu
erarbeiten.
Nach
drei
Jahren intensiver Bekämpfung des Apfelblattsaugers, auch mit
finanzieller
Unterstützung des Reichsministeriums für
Ernährung und Landwirtschaft in Höhe
von 330.000 Reichsmark, brachte das Jahr 1928 eine gute Ernte
schädlingsfreier
Früchte.
Die
Erkenntnis,
dass nur durch enge Zusammenarbeit von Praxis, Beratung und
Wissenschaft die ständig
auftretenden Probleme im Obstbau zu lösen seien, schlossen
sich vor 80 Jahren,
am 12. Juli 1929, neunzehn Obstbauern zum Obstbauversuchsring (OVR) des
Alten
Landes in Jork zusammen, dem ersten seiner Art in Deutschland. Seine
Tätigkeit
begann mit grundlegenden Arbeiten im Pflanzenschutz. Durch
Lagerungsversuche
konnten Aussagen über die Auswirkung der angewendeten
Dünge- und
Pflanzenschutzmittel auf die Lagerfähigkeit der
Früchte gemacht werden. Dies
waren wertvolle Hilfen, die Obstbauwirtschaft voranzubringen. Sie
reichten aber
nicht aus, alle den Obstbau betreffenden Probleme zu lösen. Es
musste eine
Einrichtung geschaffen werden, welche die wissenschaftlichen Grundlagen
für den
Obstbau erarbeitete und die daraus gewonnenen Erkenntnisse durch
Beratung der
Praxis übermittelte.
So
wurde am 10.
Mai 1935 vom Reichsnährstand als Träger die
„Obstbauliche Versuchsanstalt (OVA)
Jork“ gegründet und dem Obstbauversuchsring
vorgeschaltet. Damit war eine
einmalige Einrichtung entstanden, in der unter einer Leitung
obstbauliche
Forschung und Beratung der angeschlossenen Obstbauern bis zum heutigen
Tag die
produktionstechnischen Belange des niederelbischen Obstbaues
maßgeblich
gestaltet und weiter entwickelt.
1997
haben 25
Obstbauern den Öko-Obstbau Norddeutschen Versuchs- und
Beratungsring (ÖON)
gegründet, der seit 2001 wegen wichtiger Synergieeffekte im
Hause OVA/OVR
untergebracht ist. Seither nennt sich dieses Haus Obstbau- Versuchs-
und
Beratungszentrum (OVB), in dem obstbauliche Forschung und Beratung
sowohl für
die Integrierte Produktion als auch für den
Ökologischen Obstbau konzentriert
ist.
Obstbau
heute
Insgesamt
sind
im Niederelbegebiet ca. 2.100 Voll-Arbeitskräfte im Obstbau
tätig. Davon sind
ca. 1.100 Familien-, 400 feste und ca. 650 Saisonarbeitskräfte.
Der gesamte
Produktionswert „Obst“, der jährlich an
der Niederelbe erwirtschaftet wird und
in dem alle Obstarten und Absatzformen eingeschlossen sind,
beträgt ca. 180
Mio. Euro.
Die
Gesamtanbaufläche von ca. 10.500 ha der Niederelbe mit dem
Kerngebiet Altes
Land gliedert sich in 8.200 ha Baumobst und ca. 1.500 ha Beerenobst.
Es ist ein
fortwährender Strukturwandel zu beobachten, der neben dem
ständigen Wachsen der
Betriebe auch die Spezialisierung auf wenige Obstarten und -sorten
betrifft.
Der Apfel nimmt heute ca. 90 % der Anbaufläche ein.
Im
Durchschnitt
der Jahre werden an der Niederelbe zwischen 280.000 und 340.000 t
Äpfel
geerntet. Je nach Verlauf der Apfelsaison kommen ca. 25 bis 30 % der
Äpfel, die
im deutschen Erwerbsapfelanbau heranwachsen, aus dem Niederelbegebiet.
Erhebungen im Niederelbegebiet zeigen, dass pro Jahr ca. 1 Mio.
Bäume neu
gepflanzt werden und für Neuanlagen jährlich ca. 5
Mio. Euro investiert werden.
Die
Frostschutzberegnung nimmt zur Existenzabsicherung eine zentrale
Position ein.
Mit dem Einsatz dieser Anlagen, die Investitionskosten von ca. 5.000,-
Euro/ha
erfordern, werden die Erträge zur Zeit der Blüte
gesichert, und es wird ein
möglichst kontinuierlicher Ertragsverlauf durch den Einsatz
von Beregnung
erreicht.
Im
Anbaugebiet
werden jährlich neue Spezial-Lagerkapazitäten
geschaffen, um die Qualitäten
über einen möglichst langen Zeitraum erhalten zu
können. Im Durchschnitt der
letzten fünf Jahre waren dies Lagerraum für ca.
60.000 dt pro Jahr.
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