Einmalige
bäuerliche Traditionen
Im
Alten Land entwickelte sich eine einzigartige, prunkvolle selbstbewusste
bäuerliche Kultur. Altländer Kultur, aufwendige filigrangeschmückte Trachten,
kunstvoll gedrechselte Möbel werden bis heute gepflegt bzw. hergestellt.
Die
Landesgemeinde hieß Altes Land, das alte Landschaftssiegel vom Jahr 1361 führt
die Umschrift: „Sigillum Communitatis Veteris Terrae“ (Siegel der Gemeinde des
Alten Landes). Erstmals 1361 erscheinen Hauptleute als institutionalisierte
Organe der Landesgemeinden in den Elbmarschen.
„Die autonome Landesgemeinde als historischer Hintergrund einer
holländisch geprägten und eigenständig weiterentwickelten Kulturlandschaft ist
ein beachtliches Alleinstellungsmerkmal, dass das Alte Land allenfalls mit dem
Land Hadeln teilt. Als besonderer Clou kommt hinzu, dass im Alten Land mit der
Entstehung der Hauptmannschaften im 14. Jahrhundert bereits die Trennung von
Rechtssprechung und Verwaltung vorweggenommen wurde, die sich in Mitteleuropa
erst im 19. Jahrhundert durchsetzte. Die Bedeutung der Landesgemeinden ist
neben den Städten für die Durchsetzung der modernen Bürgergesellschaft hoch
einzuschätzen.“ Adolf E. Hofmeister
Durch
die weitgehende Abwanderung des Adels in der Mitte des 14. Jahrhunderts wurde
die Aushöhlung der Landesverfassung durch Adelsvorrechte und Adelsherrschaft
hier weitgehend verhindert.
1517
erreichen die Altländer die Bestätigung der Altländer Privilegien, u.a.
umfassten diese die Selbstverwaltung des Alten Landes.
Erst
mit der Auflösung des Kreises Jork 1932 war die Jahrhunderte geltende Einheit
des Alten Landes zerstört worden. 1937 wurden durch das
Groß-Raum-Hamburg-Gesetz Francop, Neuenfelde und Cranz zu Hamburg eingemeindet.
Hove, Moorende und Rübke gehörten seit 1932 zum Landkreis Harburg.
Seit
dem 15. Jahrhundert sind Höfe ungeteilt über Generationen im Besitz einer
Familie. Besitzstrukturen, landschaftliche Gegebenheiten,
Herrschaftsbedingungen, Vertragsgestaltungen und Rechtsverhältnisse prägten das
tägliche Leben der Menschen im Alten Land in den vergangenen Jahrhunderten in
besonderer Weise. Das „Olden Landes Ordeninge und Rechteboeke“ regelte die
Rechtsverfassung.
Die
Frau nahm im Alten Land immer eine sehr starke Stellung ein, so konnte z.B.
auch ein gemeinsam verfasstes Testament nicht einseitig zum Nachteil des
anderen geändert werden.
Im
Alten Land konnte sich das Handwerk bereits seit dem 17. Jahrhundert unabhängig
von den Bannrechten der Handwerkerämter der benachbarten Städte Stade und
Buxtehude entwickeln. 1861 reichte der Anteil der Handwerker an der Bevölkerung
mit 3,5 Werkstätten auf 100 Einwohner annähernd an das in der Stadt Stade
bestehende Verhältnis von 4,3 Meistern auf 100 Einwohner heran, während ihr
Anteil im gesamten Königreich Hannover durchschnittlich fast nur 1/3 des
Anteils betrug, den die Handwerker an der Bevölkerung der Städte hatten. Wurde
viel Wert auf die Gestaltung des Hauses gelegt, wurde auch viel Geld für die
innere Ausstattung ausgegeben. Altländer Möbel haben sich vor allem in Form von
Koffertruhen in großer Zahl erhalten, aber auch Truhenbänke, Stühle und als
Besonderheit der so genannte Hamburger Schapp, ein barocker Dielenschrank,
finden sich in Museen und Privathäuser.
Orgellandschaft
und Kirchen
Die
zehn denkmalgeschützten Kirchen des Alten Landes sind reich an Kulturschätzen.
Hier konzentriert sich wie kaum anderswo auf der Welt ein orgelhistorischer
Bestand von erhaltenen Orgelregistern aus Vorbarock und Barock. Arp Schnitger,
der Meister des norddeutschen Orgelbaus lebte und arbeitete in Neuenfelde. Der
Orgelbauerhof, seine Orgeln im Alten Land und sein Grab in St. Pankratius
ziehen bis heute Orgelbauer und Kirchenmusiker aus aller Welt an.
Erste
Orgelnachweise lassen sich 1560/62 für Jork, 1565 für Mittelnkirchen, 1583 für
Borstel und 1584 für Estebrügge erbringen. Matthes Mahn, Orgelbauer aus
Buxtehude, wird mit Aktivitäten im Alten Land nachweisbar. In Steinkirchen ist
1581 ein Orgelbauvertrag für die Erweiterung eines bestehenden Instrumentes
überliefert.
Schnitgers
(1648-1719) Anfänge als selbstständiger Stader Orgelbauer liegen in Borstel. Am
6. Mai 1677 schlossen die Kirchenjuraten mit ihm einen Vertrag über den Umbau
der traditionsreichen Orgel ab. Als sich herumsprach, dass er in Jork
arbeitete, wurde ein Bote aus Neuenfelde zu ihm geschickt, damit er sich einmal
die Neuenfelder Fritzsche-Orgel ansähe. Für Schnitger war dies in mehrfacher
Hinsicht lebensbestimmend. Spätestens während des Umbaus muss Schnitger Gertrud
Otte kennen gelernt haben – sie heirateten Anfang 1684, kurz nach
Fertigstellung der Umbaumaßnahmen. Und damit wurde Neuenfelde zugleich zu einem
der Lebensmittelpunkte Schnitgers.