Beispiele
aus anderen Hollerkolonien
Spuren
der Holländer begegnen wir in den Marschen an Weser und Elbe.
In
Urkunden ist von holländischen Hufen, holländischem Recht oder direkt von
Holländern die Rede. Indirekt weisen Ausdrücke wie wateringe, sitwendinge oder
vimmen auf die Herkunft der Kolonisten, desgleichen die den Sachsen
ursprünglich fremde Gerichtsverfassung mit Schulzen und Schöffen hin. Es ist
auch der Nachweis gelungen, dass in vielen Marschen holländisches Erbrecht und
eheliches Güterrecht zur Geltung gelangt sind, denn den holländischen
Kolonisten wurden eigene Rechtsbezirke innerhalb des sächsischen Landrechts
zugestanden. Auch Ortsnamen weisen auf holländische Herkunft, hier vor allem
die Namen auf –kop, aber auch Namen auf –brok und –land. Auch die Benennung
nach Flüssen ist typisch für die Kolonisationsgebiete. Aus Holland stammt auch
die planmäßige Fluraufteilung der Kolonien, die in nach Länge und Breite
vermessenen Hufen erfolgte. Dadurch erhielten die Kolonien in den Marschen ihre
charakteristische Siedlungsform als Marschhufendörfer. Es kann kein Zweifel
bestehen, dass die Holländer, die sich im 12. Jahrhundert an Weser und Elbe
niederließen, diese Siedlungsform aus Holland mitgebracht hatten. Als
Herkunftsraum konnte Hendrik van der Linden die schon im 11. Jahrhundert
erwähnten Dörfer Leimuiden, Esselijkerwoude und Rijnsaterwoude in der Nähe von
Leiden bestimmen. Diese Ursprungsgebiete sind heute nur noch mäßig erhalten.
Nördlich von Bremen an der
Wümmeniederung lag der Ausgangspunkt für die Hollerkolonisation an der Weser im
12. Jahrhundert. An der Elbe folgen die Bishorster-, Haseldorfer- und
Wilstermarsch, die Marsch- und Vierlande seit 1142, das Land Hadeln und
Kehdingen.
Lopik
ist Teil der Landschaft Lopikerwaard im Südwesten von der Provinz Utrecht,
einer Polderlandschaft. Der genaue Zeitpunkt der ersten Eindeichung ist nicht
belegt, vermutlich aber in der 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts anzusetzen.
Nördlich von Amsterdam gelegen
ist der Beemster Polder eine durch Menschen geschaffene, der Natur abgerungene
Be- und Entwässerungslandschaft. 1607 durch den holländischen Hof beschlossen,
begann 1612 die Trockenlegung des Gebietes. Es entstand ein Ringpolder von etwa
7.200 ha mit dem Ziel, ein Nahversorgungszentrum mit landwirtschaftlichen und
gartenbaulichen Produkten für das stetig wachsende Amsterdam zu schaffen. Seit
1999 ist der Beemster Polder Welterbe der UNESCO.
1648 besichtigte eine Gruppe
von niederländischen Siedlungsunternehmern die brandenburgischen Ämter
Tangermünde, Fehrbellin, Spandau, Bötzow (Oranienburg), Liebenwalde und
Zehdenick. Einer von ihnen stammte aus dem Beemster, er war Landmesser und fertigte
eine Karte des Gebiets, die Art und Weise, in der er das Land zwischen Aland
und Elbe parzellierte, unterscheidet sich nicht von der Flächenaufteilung im
Beemster.
In Ost-England waren es
holländische Ingenieure, die die Moore entwässerten und urbar machten.
Das Weichseldelta in Polen weist
noch heute Spuren der holländischen Kolonisten auf. (The influence of Dutch
engineers on water management in Europe 1600-2000, hrsg. von Helga S. Danner,
Johannes Renes u.a., Utrecht 2005 S. 59ff))
„Das Alte Land ist das
historische kulturlandschaftliche Ergebnis eines europäischen Prozesses. Das
heißt, wenn die Hollerkolonisationen ausgehend von den Niederlanden, mit
Tochterlandschaften in deutschen und polnischen Gebieten zusammen betrachtet
werden, sind diese einzigartig und erst dadurch von universellem Wert als
Kulturerbe der Menschheit. Dann bildet das Alte Land als Tochterlandschaft
zusammen mit diesen Kulturlandschaften einen europäischen Verbund und stellt
einen in Europa einzigartigen Kultivierungsprozess mit herausragenden
Strukturen und Einzelelementen dar und ist unter der Voraussetzung der
Hervorhebung der seriellen Hollerkolonisation dann zugehörig zu einem
gesamteuropäischen Erbe von Weltrang im Sinne der UNESCO.“, heißt es in der
„Länderübergreifenden Kulturlandschaftsanalyse Altes Land“.
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